Presse 2018

Heckengäu Band Contest 2018
Sie lassen gestandene Bühnenprofis erblassen

Von Kathrin Klette 05.08.2018 – 18:00 Uhr  Leonberger Kreiszeitung

Der Auftritt von Helimoped macht einfach Spaß. Foto: factum/Granville

Leonberg – Gleich zwei Sieger durfte Margot Rosenberger, Chefin des Musiklabels Pangalactic Records, bei ihrem „Heckengäu Band Contest“ küren: Die Musiker von Helimoped und Cube Six erreichten nach der Abstimmung von Jury und Publikum am Freitagabend die gleiche Punktzahl. Zum Auftakt des Strohländles auf dem Engelberg rockten sie zusammen mit ihren Mitbewerbern My Daily Crisis und Reaching 62 F die Bühne – und heizten dem Publikum nicht nur dank der sehr sommerlichen Temperaturen kräftig ein.

 Schon auf der langen Treppe hoch zum Engelberg hallen einem aus der Ferne tiefe Bässe und ein animalischer, gutturaler Gesang entgegen. Je näher man kommt, desto mehr mischen sich Gitarrenklänge darunter, und das Klangbild wird immer klarer. Mit Team Tot aus Sindelfingen, einer nicht Death-Metal-, sondern Tot-Metal-Band, wie die Musiker es selbst nennen, haben sich die Veranstalter eine mehr als ungewöhnliche Band zur Eröffnung ihres Bandcontests eingeladen. Margot Rosenberger hat den ehemaligen Bewerbern des Leonberger Contests Maflz einen Auftritt versprochen, jedoch spielen die Musiker heute außer Konkurrenz. Schade eigentlich, sind die Metaller mit ihren martialisch-düsteren Klängen und dem professionellen Grunt-Gesang doch eine echte Bereicherung des Abends.

Interaktion mit dem Publikum

Was folgt, kann sich ebenfalls mehr als sehen lassen. Nicht selten lassen die Teilnehmer des „Heckengäu Band Contests“ komplett vergessen, dass sie eigentlich Newcomer sind und, wenn überhaupt, erst wenige Jahre Bühnenerfahrung mitbringen. Fünf Familienväter haben sich zu My Daily Crisis zusammengeschlossen und meistern in ihrer Musik die alltäglichen Krisen des Lebens. Mit viel Spielfreude präsentieren sie einfallsreichen und immer wieder überraschenden Metal mit Anleihen aus dem Elektro-Genre – von ihnen genannt Benzcore. Zusammen mit den Instrumentalisten von Reaching 62 F teilen sie sich den dritten Platz. Deren Ziel, ihre Zuhörer auf eine Reise durch den interstellaren Raum mitzunehmen, machen die Post-Rocker alle Ehre. Vor einen gleichförmigen, immer wiederkehrenden Hintergrund mischen sich mal experimentelle, mal fast ekstatische Einschübe. Benannt hat sich die Band übrigens nach dem neu entdeckten Planeten „Kepler 62f“.Durch eingängige Songs, perfektes Zusammenspiel, die launige Interaktion untereinander und mit dem Publikum und nicht zuletzt den grandiosen Auftritt von Frontmann Daniel Scherr haben sich die Funkrocker von Helimoped aus Stuttgart ihren Sieg mehr als verdient. Das Energiebündel am Mikrofon ist so überzeugend im Ausdruck und in der Darbietung, wie es kaum einem gestandenen Bühnenprofi gelingt, – und das, während er wie ein Flummi über die Bühne hüpft oder die kleinen Gäste ansingt, die sich die Show ganz aus der Nähe ansehen wollen und kurzer Hand zu ihm nach oben geklettert sind.

Gänsehaut bei Cube Six

Apropos: Gestandene Bühnenprofis erblassen lassen: Wer an diesem Abend Kiara Huber von Cube Six das erste Mal singen hört, dem bleibt der Mund erst einmal offen stehen. Keines der Bandmitglieder ist älter als 16 Jahre, der Bassist steht am Freitag sogar das erste Mal überhaupt auf der Bühne. Trotzdem stehen die jungen Pop-Rocker gekonnt ihren Mann – oder eben Frau. Und die überzeugt wie keine zweite: Die junge Sängerin weiß ihre Stimme perfekt einzusetzen und ruft nicht nur bei der vierköpfigen Jury mit ihrem eindrücklichen Gesang Gänsehaut hervor.Das Publikum wählt die junge Band denn auch auf Platz eins, Helimoped auf Platz zwei. Die Jury-Wertung fällt genau umgekehrt aus, und so stehen am Ende beide oben auf dem Treppchen. Etwas unglücklich nur, da der Erstplatzierte sich einen von fünf Preisen zuerst aussuchen und zum Abschluss noch einmal spielen darf. Am Ende entscheidet das Los. Zumindest, was die Wahl der Preise angeht, dürfte Cube Six über das Ergebnis aber nicht allzu enttäuscht sein. Denn während sich Helimoped für einen professionellen Videoclip entscheidet, hätten die Musiker von Cube Six ohnehin als Erstes die Aufnahme in einem Tonstudio gewählt.